Die Urnenfelderkultur
Die Urnenfelderkultur (Kürzel „UK“) dauerte von etwa 1300 v. Chr. bis 800 v. Chr. Sie ist die verbreitetste mitteleuropäische Kultur der Späten Bronzezeit. Da es jedoch selbst in Mitteleuropa weitere Kulturen gab, sollte der Begriff nicht verallgemeinert werden. Da außerdem der namengebende Bestattungsritus – Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen und Beisetzung der Brandreste in Urnengräbern – auch in anderen Kulturen geübt wurde, ist die Urnenfelderkultur durch weitere Kriterien, wie typische Bronze- und Keramikformen, definiert.
Die Urnenfelderkultur folgte auf die Hügelgräberkultur der Mittleren Bronzezeit. In den meisten Teilen ihres Verbreitungsgebietes wird die Urnenfelderkultur mit Beginn der frühen Eisenzeit durch die Hallstattkultur abgelöst.
Verbreitung der Urnenfelderkultur
Die Urnenfelderkultur war über weite Teile des südlichen Mitteleuropa verbreitet. Im Westen reicht ihr Kerngebiet bis in das Pariser Becken, im Osten bis nach Niederösterreich und Slowenien. Auch Teile der übrigen Donauländer sowie Belgiens und der Niederlande, Südfrankreichs (bis hinab nach Katalonien) und Norditaliens lassen sich, je nach Definition, ihrem Verbreitungsgebiet zurechnen. Die Grenzen zwischen ihrem Verbreitungsgebiet im engeren Sinne und Regionen, die lediglich unter mehr oder weniger starkem Einfluss der Urnenfelderkultur standen, sind dabei nicht immer deutlich zu ziehen, zumal sie sich im Verlauf der Spätbronzezeit mehrfach verschieben.
Als ein mögliches Entstehungszentrum kommt vor allem der nördliche, östliche und südöstliche Voralpenraum und dabei insbesondere die Laugen-Melaun-Kultur in Frage. Von dort aus verbreiteten sich wichtige Merkmale der Urnenfelderkultur in alle Himmelsrichtungen. Wenige Jahrhunderte später ist sie in Italien, wo sie von der Villanovakultur abgelöst wird, und in Siebenbürgen wieder verschwunden. In Südfrankreich und Nordostspanien hingegen breitete sie sich erst gegen Ende der Spätbronzezeit (ca. im 9.Jh. v.Chr.) aus.
In Deutschland gehörten Baden- Württemberg, Bayern, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Süd- und Mittelhessen sowie der südliche Teil des Thüringer Waldes zum Verbreitungsgebiet der Urnenfelderkultur. In Österreich zählten der Alpen- und Donauraum zum Kernbereich der Urnenfelderkultur. Das Gebiet der UK wird in einen westlichen und einen östlichen Kreis gegliedert. In der älteren und mittleren Urnenfelderzeit lag die Grenze zwischen den beiden Kreisen im Bereich Strudengau– Dunkelsteiner Wald, in der jüngeren Phase gehörten auch der oberösterreichisch- salzburgische Raum zu Ostkreis.
Anhand von Unterschieden in der Keramik wurden innerhalb des westlichen UK-Kreises, seit Beginn der Hallstattzeit A (1200–1000 v. Chr.) drei größere Regionalgruppen definiert: die rheinisch- schweizerische, die untermainisch- schwäbische und die oberbayrisch- salzburgische Gruppe. Die Ostgrenze der untermainisch- schwäbischen Gruppe ist entlang der Westgrenze Oberfrankens, Mittelfrankens und Niederbayerns und südlich entlang der Isar zu fassen.
Während der Hallstattzeit A und der Hallstattzeit B (1000–800 v. Chr.) bildete die rheinisch-schweizerische Gruppe mit der Urnenfelderkultur des ost- und zentralfranzösischen Raumes eine mehr oder minder einheitliche Keramikprovinz heraus. Die oberbayerisch- salzburgisch Gruppe grenzt im Westen an die untermainisch- schwäbische Gruppe und im Norden grenzt sie an die niederbayrisch- südoberpfalzische Keramikprovinz. Sie endet an der Inn/ Salzach-Linie.
Die Lausitzer Kultur, die im Nordosten an das Verbreitungsgebiet der Urnenfelderkultur grenzt, ähnelt ihr im Bestattungsbrauch und in manchen Aspekten der materiellen Kultur. Von manchen Forschern wird sie deshalb ebenfalls zur Urnenfelderkultur gerechnet. (quelle.wikipedia.de)