Archiv für Oktober 2009
Zankapfel: Armen-Sozialbestattungen
Das wohl berühmteste Armen-Grab ist das von Wolfgang Amadeus Mozart, der 1791 mittellos starb.
Doch leider werden auch 200 Jahre später wieder Sozialbestattungen für arme Bürger zum Thema. Häufig liegt die Beerdigung eines Menschen nicht in den Händen der trauernden Hinterbliebenen, sondern in denen des Ordnungsamtes. Hier sterben meist völlig vereinsamte Menschen, die weder Angehörige, noch Freunde hinterlassen.
Bei einer Sozialbestattung werden die erforderlichen Kosten auf Antrag vom Sozialamt übernommen, soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten der Bestattung selbst zu tragen.
Aber auch denjenigen, die liebe Menschen wie den Partner oder Kinder zurücklassen, bleibt die Armen-Bestattung manchmal nicht erspart. Hier müssen die Hinterbliebenen beim Sozialamt die Übernahme der Kosten beantragen, weil sie sie aus eigener Kraft nicht tragen können. Neben dem Schmerz über den Verlust sind dann noch Anträge auszufüllen, die Finanzen offen zu legen: ein umständliches Prozedere. Zumal es am Sterbe- und nicht am Wohnort des Hinterbliebenen erfolgen muss und dies kann dauern. Fristen hierfür gibt es nicht- es ist also kaum verwunderlich, das die Bestatter hierüber verärgert sind und sich mit diesem Problem allein gelassen fühlen. (F.Mohr)
Kardinal Lehmanns Festrede
(faz.net) In der Online-Ausgabe der unverzichtbaren Fachpublikation “Friedhofskultur – Zeitschrift für das gesamte Friedhofswesen” (www.friedhofskultur.de) lernt der Laie allerlei Interessantes, etwa dass in Deutschland sprechende Grabsteine verboten sind. Wer es noch genauer wissen möchte, kann sich die Dissertation “Vom Gottesacker zum Krematorium: eine Sozialgeschichte der Friedhöfe in Deutschland seit dem achtzehnten Jahrhundert” herunterladen (www.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/1996/37).
Und wer Kluges über Leben und Tod erfahren will, sollte sich Kardinal Lehmanns Festrede vor den Mitgliedern des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Steinmetzhandwerks mit dem schönen Titel “Das Grab und der Friedhof als Spiegel von Glaube und Kultur” zu Gemüte führen (www. bistummainz.de/bistum/bistum/kardina l/texte/texte_2005/friedhof.html) Aufgepasst: “Man kann vieles über den Tod sagen, aber man muss sich zugleich eingestehen, dass er auch Schweigen gebietet. Deshalb ist es schon auch ein Paradox, über den Tod zu reden.”
Wahl zur „Miss Friedhof“
Ja, diesen Titel muss man nicht verstehen. Erst auf den zweiten Blick gibt sich zu erkennen, das hier keine schönen Frauen gesucht werden, sondern der oder die schönsten Friedhöfe der Welt. Wer auf der Suche danach ist, wird im Internet schnell fündig. Auf der Webseite http://de.woobby.com/result/show/20103-Die-schoensten-Friedhoefe-der-Welt, können die User hierüber abstimmen und ihre Meinung kundtun. Momentan geht der 1.Platz an den Friedhof Hamburg-Ohlsdorf, dicht gefolgt vom Wiener Zentralfriedhof auf dem 2. Platz und Platz 3 geht an den Friedhof Père Lachaise in Paris. Auf den Plätzen 4, 5, 6 und 7, folgen der Nationalfriedhof von Arlington, La Recoleta in Buenos Aires, München Alter südlicher Friedhof und dem Gartenfriedhof „Mount Auburn“ in Cambridge. Die Abstimmung ist fortlaufend und kann somit das Ergebnis verändern.
Wie man sieht, hat der Tod auch seine schönen Seiten und man kann im Internet viele Webseiten finden, die sich mit dem Sterben/ Tod auf ihre ganz eigene Art auseinandersetzen. So findet man u.a. Seiten über alle Friedhöfe in Wien (www.wien.gv.at/kultur/friedhoefe). Die jüdischen Friedhöfe in Deutschland, sind unter: (www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/FRIEDHOF/ALLGEM/index.html) verzeichnet, oder die schönsten letzten Ruhestätten zwischen Ostsee und Alpen (www.dertot.com).
Nach dem Tod kommt der Frost
Die Klimakonferenz macht es mal wieder deutlich: Deutschland hat eine schlechte Öko-Bilanz aufzuweisen und darum macht der Öko- Gedanke auch nicht vor dem Tod halt. Marmorgrabsteine und Mahagonisärge sollten dabei ebenso mal überdacht werden, wie Grabstätten auf heimatfernen Friedhöfen, die besuchswilligen Angehörigen eine mehrstündige Anreise abverlangen.
Gut 50% der jährlich rund 1 Million Toten in der Bundesrepublik werden eingeäschert – dabei scheint der enorme Energiebedarf keine große Rolle zu spielen. Das Krematorium der Stadt Frankfurt hat einen Erdgasverbrauch von 400 Kilowattstunden pro Einäscherung ermittelt der durchschnittliche deutsche Monatsbedarf für ein 30-Quadratmeter-Apartment.
Auf der Suche nach ökologischen Alternativen zur Feuerbestattung, sind wird gleich auf 2 neue Bestattungsformen gestoßen, die sich derzeit international in der Test- und Genehmigungsphase befinden. Aus dem kalten Norden Schwedens kommt die “Promession”, bei der der Leichnam mit flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius gefriergetrocknet und anschließend durch Vibration in grobes Pulver verwandelt wird. Dieses Verfahren wurde von einer schwedischen Biologin entwickelt und in mehr als 30 Ländern patentiert. Dieses Granulat lässt sich in einem Sarg aus Mais- oder Kartoffelstärke innerhalb eines Jahres kompostieren.
Als weitere neue Bestattungsform gilt die “alkalische Hydrolyse”. Sie wird in den USA bereits an Universitäten sowie Forschungseinrichtungen vorwiegend zur Beseitigung von Tierkadavern angewendet. In auf 150 Grad Celsius erhitzten Edelstahltanks zersetzt Lauge bei sechs Bar Druck den Körper bis auf einige Knochenreste fast vollständig.
250 Gräber aus Bronzezeit entdeckt
Entlang der künftigen ICE-Strecke Erfurt-Halle/Leipzig haben Archäologen Gräber aus der frühen Bronzezeit entdeckt. Auf einem ca. 100 Hektar großen Areal nahe Oechlitz, haben die Forscher mehr als 250 Gräber aus der frühen Bronzezeit entdeckt. Bei den Funden handelt es sich um sogenannte „Etagen-Gräber“, in den die Verstorbenen übereinander bestattet wurden. Bei den Ausgrabungen konnten bisher mehr als 50.000 Funde gesichert werden. Funde belegen, das die Querfurter Platte seit mind. 7500 Jahren besiedelt wurde- die ältesten archäologischen Funde gab es im Saalekreis. Sie waren mehr als 7300 Jahre alt. Mehr als 300 teils gut ausgestattete Gräber, ordnen die Archäologen der linenbandkeramischen Kultur der frühen Jungsteinzeit zu.
Nachdem die Fundstücke katalogisiert, gereinigt sowie aufbereitet worden sind, sollen sie an das Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen- Anhalt in Halle zur Ausstellung gebracht werden.
Grab für mehr als 80.000 €
Um den immensen Kosten für Gräber in den urbanen Gebieten Japans zu begegnen, haben Geschäftsleute nun eine günstigere Variante für die letzte Ruhestätte gefunden. Hightech-Gräber in mehrstöckigen Bestattungshäusern kosten erheblich weniger als herkömmliche letzte Ruhestätten, die sich in Tokio mit mehr als 100.000 Dollar zu Buche schlagen. Per Chipkarte wird ein Roboterarm aktiviert, der die Urne vom Lager- in den Trauerraum transportiert. Dort wird über Lautsprecher Musik gespielt und Fotos vom Verstorbenen werden auf einem Bildschirm vorgeführt.
Die fünf- oder sechsstöckigen Bestattungshäuser sehen von außen wie graue Wohnhausanlagen mit wenigen Fenstern aus. Eine Hälfte des Gebäudes ist ausschließlich für die Lagerung von Urnen reserviert, die jeweils zu zweit in einer Schachtel verstaut und vom Boden bis zum Dach in Regalen geschlichtet sind. Bis zu 7.000 Verstorbene können so auf einer Fläche “gelagert” werden, auf der unter freiem Himmel nur maximal 100 Platz hätten.
“Die Kosten in einem solchen Bestattungshaus liegen bei der Hälfte bis einem Drittel unter jenen von herkömmlichen Gräbern am Friedhof”, erklärt ein buddhistischer Mönch. Ein weiterer Vorteil sei auch, dass das Gebäude ganz in der Nähe des Bahnhofs steht und damit günstiger erreichbar ist, als die weit draußen liegenden Friedhöfe. Der Großteil der verstorbenen Japaner werde ohnehin verbrannt.
In den traditionellen Trauerzeremonien wird von Angehörigen die Asche entgegen genommen. Dann werden die Knochen mit Stäbchen in eine Tonurne mit der Asche gegeben, die anschließend unter dem Familiengrabstein beerdigt wird. Doch für die meisten Japaner ist diese herkömmliche Bestattung in der Stadt kaum bezahlbar. In Japan haben Hightech-Anwendungen in der Zwischenzeit in vielen Lebensbereichen Einzug gehalten. Nun erfolgt dieser Schritt offensichtlich auch bei der letzten Ruhestätte. 300 Familien haben ihre Verwandten bereits im Bestattungshaus bestattet.
Grabgestaltung und Grabpflege
Durch die Gestaltung und Pflege der Grabstätte können Hinterbliebene der Trauer um einen geliebten Menschen Ausdruck verleihen.
Bei der Gestaltung einer Grabstelle sind die Rahmenbedingungen der jeweiligen Friedhofsverwaltung einzuhalten. Viele Hinterbliebenen greifen auf eine Grabbepflanzung zurück, die im Einklang mit der Gesamtgestaltung der Grabstelle stehen sollte. Für die Pflege der Bepflanzung kann man sich an die Friedhofsverwaltung wenden, die gerne Kontakt zu einer Gärtnerei vermittelt, die gegen ein Entgelt die gewünschten Leistungen ausführt.
Der Grabstein verdeutlicht einen Teil der Persönlichkeit des Verstorbenen und kann mit Symbolen wie: Pflanzenmotiven, Darstellungen von Sonne, Erde, Familienwappen oder einem beliebigen Ornament versehen werden.
17.300 € für eine Beerdigung
Das Geschäft mit dem Tod könnte für Bestattungsunternehmer in Japan nicht besser laufen.
Auch in Japan sorgt der demographische Wandel für eine Vergreisung der Bevölkerung. Eine wachsende Anzahl an Alten, sorgt in der japanischen Bestattungsindustrie für steigende Umsätze und macht es zu einer krisensicheren Branche.
Zu den Aufgaben des Bestatters gehören, die Waschung des Verstorbenen und die Aufbahrung in seinem Haus. Hinzu kommt ein buddhistischer Mönch, der zusammen mit den Angehörigen singt und am Sarg Räucherwerk verbrennt. Einen Tag später bringt die Familie den Verstorbenen in einen Tempel, wo er dann während einer Zeremonie einen buddhistischen Namen bekommt. Dann erfolgt eine Überführung in ein Krematorium, wo der Leichnam dann verbrannt wird.
Die Kosten für eine Bestattung in Japan belaufen sich im Schnitt auf 2,3 Mio. Yen (rund 17.300 Euro). Damit ist sie fast 3x so teuer wie in Deutschland.
Mit wenigen Worten: Wer in Japan unter die Erde möchte, muss sehr tief ins Portemonnaie greifen.

