Archiv für September 2009
Wirb oder stirb
Premium-Begräbnis oder Discount-Urne? Auch der Tod muss besser vermarktet werden denken sich die Bestatter und wagen einen Spagat zwischen Humor und Pietät. VON SEBASTIAN ERB
Das Kuratorium für Bestattungskultur hat zu einer Tagung eingeladen. Vorn, auf der Leinwand, werden Plakate gezeigt. Eine Frau steht auf dem Friedhof, einen Spaten in der Hand: “Und wer hebt die Grube aus?” Auf einem anderen sieht man eine Mülltonne: “Sorry, Opa, mehr war nicht drin.” Dann erscheint ein Einkaufszettel: Butter, Eier, Milch, Urne. Die Plakate sind Beiträge eines Kreativwettbewerbs. Die Werbung trifft den Tod – und die Zuschauer lachen.
“Wer nicht wirbt, stirbt” lautet das Motto der Tagung in Berlin. Das Interesse ist groß, 250 Teilnehmer, ausgebucht. Die meisten sind Bestatter, die sehen möchten, was alles möglich ist.
Interessante Foto´s und mehr zu diesem Thema finden Sie unter: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/wirb-oder-stirb/
Urnenbestattung in Buchenwald
Die Urne des niederländischen NS-Widerstandskämpfers Hermann van Hasselt wurde am KZ Buchenwald bestattet.
Hintergrund: Hermann van Hasselt wurde als junger Mann in ein Außenlager von Buchenwald verbracht, gequält und überlebte nur mit knapper Not. Sein letzter Wunsch war es, an den Ort des Schreckens zurückzukehren um seine letzte Ruhestätte dort zu finden. Diesem Wunsch wurde jetzt, einige Monate nach seinem Tod, entsprochen.
Buchtipp: Der Frankfurter Hauptfriedhof
Unser heutiger Buch-Tipp:
„Der Frankfurter Hauptfriedhof“
Peter Braunholz, Peter; Britta Boerdner, Christian Setzepfandt
Bildband, 144 Seiten, 9783797311474 Bestellbar über www.societaets-verlag.de
Der außergewöhnliche Bildband Der Frankfurter Hauptfriedhof entführt an einen zauberhaften Ort der Stille, ganz nach dem Motto „Ein Friedhof, schön wie ein Park“. Der Fotograf Peter Braunholz und das Autorenduo Britta Boerdner und Christian Setzepfandt fangen die besondere Atmosphäre des Friedhofs ein und öffnen die Augen für die verwunschenen Ecken und die bedeutsame Geschichte dieses spannenden Stücks Frankfurts. 1828 wurde der Friedhof in der Tradition englischer Landschaftsparks angelegt: So natürlich wie möglich sollte der Friedhof gestaltet werden, um Ruhe und eine friedvolle Stimmung auszustrahlen, die beklemmende Gedanken über den Tod in den Hintergrund treten lassen. Peter Braunholz hat dieses pittoreske Panorama in seinen Bildern festgehalten. Zwei Jahre hat er den Frankfurter Hauptfriedhof zu allen Jahres- und Tageszeiten immer wieder fotografiert. Das Ergebnis sind eindrucksvoll klare und gleichzeitig sanfte Aufnahmen: unberührte Schneelandschaften im morgendlichen Dämmerlicht, Herbstlaub, das sich auf den Wegen kräuselt, von Moos bedeckte Grabskulpturen. Peter Braunholz lenkt mit seinem besonderen Blick die Aufmerksamkeit auf Details, die leicht übersehen werden können.
Britta Boerdner und Christian Setzepfandt ergänzen den Bildband durch prägnante Texte, die den kulturhistorischen Hintergrund des Friedhofs erklären, auf ausgewählte Arbeiten von Steinmetzen eingehen und anhand von Ruhestätten wichtiger Prominenz wie Arthur Schopenhauer und Mausoleen von Frankfurter Familien Stadtgeschichte erzählen. Ein Vorwort von Clemens Greve, Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung, führt in das Buch ein. Ein umfassender Anhang mit weiterführenden Informationen rundet das Buch ab.
Berliner Senat will Sargzwang aufheben
Wie auf Nachfrage bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz bestätigt wurde, soll es noch während dieser Legislaturperiode, eine Gesetzesänderung zum Sargzwang geben.
Berlin will es anderen Bundesländern (z.B. Hamburg oder Niedersachsen) gleichtun und eine Bestattung ohne Sarg oder Urne ermöglichen. Für eine Schnellbestattung müssen aber einige Richtlinien geändert werden. In Berlin darf momentan ein Leichnam frühestens 48 Stunden nach dem Tod bestattet werden, wodurch es gerade in der muslimischen Tradition immer wieder zu erheblichen Kontroversen kommt, da diese in ihrer Heimat die Verstorbenen bereits am Sterbetag beerdigen.
Ein neues Gesetz wird nicht nur den Muslimen Berlins entgegenkommen, vielmehr auch den jüdischen und anderen Glaubensgemeinschaften, die ihre Toten traditionell schnell bestatten.
Asche von Leichenteilen im Atomlager Asse
Im niedersächsischen Atommülllager Asse soll Asche von menschlichen Leichenteilen gelagert worden sein. Sie stammt einem Medienbericht zufolge von zwei Betriebsschlossern, die 1975 bei einem Unfall im Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern tödlich verunglückt und stark verstrahlt worden waren. „Heute verdichten sich die Hinweise, dass die stark verstrahlten Teile der Leichen verbrannt worden sind und die Asche im Atom-Schacht Asse bei Wolfenbüttel als ‘klinischer Abfall’ entsorgt wurde”, berichtet die „Braunschweiger Zeitung” am Freitag in ihrer Onlineausgabe. Das Blatt beruft sich unter anderem auf Landtagskreise. Diese bestätigten, dass im Frühjahr 1976 der Asse zwei Blechkisten aus Neuherberg – dem Sitz der früheren Asse-Betreibergesellschaft für Strahlenforschung – angeliefert worden seien. Darin soll sich die Asche der beiden Schlosser befunden haben. (quelle:http://www.bild.de/BILD/Newsticker/news-ticker/2009/09/18/12-asse-leichen.html)
Tag des Friedhofs
Am 19.09 und 20.09.2009 findet wieder der Tag des Friedhofs statt. Friedhöfe sind Orte der Trauer, aber auch der Begegnung und des Lebens. Der Tag des Friedhofs basiert auf einer aus dem Jahr 2001 begonnenen, bundesweiten Initiative von Bestattern, Steinmetzen, Friedhofsverwaltungen, Friedhofsgärtnern, Floristen und verschiedenen Religionsgemeinschaften.
Viele Friedhöfe und Kommunen bieten an diesem Tag z.B. Führungen über den Friedhof oder durch die Trauerhallen an. Vielerorts können Interessierte auch Gespräche mit ausstellenden Gärtnern/ Grabpflegern, Steinmetzen sowie Bestattern führen.
Das letzte Hemd ausgezogen
Jedes Jahr sterben ca. 850.000 Menschen in der Bundesrepublik, was zwangsläufig zu einem guten Geschäft für die Bestattungsbranche führt. Doch leider hört man immer wieder von schwarzen Schafen unter den Bestattern. Wie der kürzlich verhandelte Betrugsfall, in dem sich ein Bestatter über einen längeren Zeitraum u.a. die Versicherungsgelder einsteckte, ohne eine Gegenleistung zu erbringen zeigt doch, das in der Bestattungsbranche doch der ein oder andere mit üblen Abzock-Tricks arbeitet.
Häufig hört und liest man, das Bestatter ohne Zustimmung der Hinterbliebenen, eigenmächtig Änderungen am Bestattungsablauf vornehmen, die dem Kunden schließlich teuer zu stehen kommen. Da hört man schon mal, dass der bestellte Sarg bzw. Urne nicht lieferbar war und man somit auf einen teueren zurück greifen musste. Häufig führen und pflegen die Bestatter gute Kontakte zu den örtlichen Krankenhäusern und Altenheimen, so das sie schneller an einen Leichentransport kommen- auch schon mal ohne Zustimmung der Hinterbliebenen. Die Toten- Aufbahrung in den eigenen vier Wänden ist legal- viele Bestatter drängen aber auf eine lange Aufbahrung im eigenen Institut. Von überhöhten Kosten bei einer Feuerbestattung hört man immer wieder- da werden Särge für viele hundert Euro angeboten, obwohl eine Standardausführung für unter 400 €uro völlig ausreichend ist. Es empfiehlt sich immer, ein schriftliches Kostenangebot einzuholen, denn häufig werden die Angehörigen erst nach der Bestattung mit der Rechnung konfrontiert, die durch kleine Extras/ Serviceleistungen schnell mal 1000 € und mehr über dem Basispreis liegen kann. Verbraucherschützer befürworten sogar, sich unterschiedliche Angebote mit konkretem Kostenplan einzuholen.
Das so der Ärger vor programmiert ist, ist den Hinterbliebenen natürlich nicht zu verdenken, denn sie möchten nur den Verstorbenen betrauern und sich nicht mit Kostenvoranschlägen, Friedhofsgebühren oder Sargpreisen beschäftigen. Laut Aussagen von Experten, sind jährlich einige Tausend Hinterbliebene mit dem Bestattungsunternehmen unzufrieden oder fühlten sich gar von ihnen abgezockt. Leider unternimmt kaum einer etwas dagegen. In den meisten Fällen überlassen sich die Trauernden ihrem Schmerz und bezahlen Ihre Rechnung ohne nachzufragen.
Was ist ein Bestattungsunternehmen
Wenn ein Todesfall eintritt, sollen Bestattungsunternehmen an erster Stelle für die Hinterbliebenen ihre Hilfe anbieten. In der Regel wird ein Bestattungsunternehmen durch hinreichend erfahrene( auch in der Trauerbewältigung) und geschulte Mitarbeiter geführt. Im Hinblick auf Seriosität, hilft es manchen Hinterbliebenen, wenn sie sehen und prüfen können, ob ihr Bestatter einem Berufsverband angehört. Die verschiedenen Berufsverbände können entsprechende Richtlinien festlegen, nach deren Angeboten sie in Ruhe prüfen, bzw. sich auch ein Vergleichsangebot einholen können. Der Bestatter kann ihnen eine Entscheidungshilfe, bzgl. der Zusammenstellung für eine würdige Bestattung sein und sie über die verschiedenen Leistungen wie, Art der Bestattung, Sargqualität, Sargausstattung und vielem mehr, beraten.
Zu den weiteren Aufgaben eines Bestattungsunternehmens gehören:
- der würdevolle Transport/ Überführung des Verstorbenen
- Grabaushub und Schließen
- Feierhallendekoration
- Reinigung und Desinfektion des Leichnams
- Ankleiden/ Einbetten des Verstorbenen
- Träger bei Überführungen
- Leitung der Trauerfeier (Betreuung)
- Erledigung der Meldeformalitäten
Gestaltungsspielräume wie bei der Sargauswahl, Blumenschmuck am Sarg oder bei der Ausrichtung der Trauerfeier, gibt es natürlich für die Hinterbliebenen. Ihre persönlichen und individuellen Ideen für den Abschied von ihren lieben, können/ sollten sie jederzeit einbringen können.
Wenn plötzlich ein Todesfall eintritt, sehen sich die Hinterbliebenen zu ihrem Schmerz, auch noch mit vielen Aufgaben und Entscheidungen konfrontiert. Sie müssen sich nun um eine Beisetzung und viele andere Details kümmern. Schön ist es natürlich, wenn der Verstorbene schon im Voraus viele Details selbst festgelegt hat, wie die Entscheidung, ob eine Erd- oder eine Feuerbestattung stattfinden soll. Leider ist dies aber in den meisten Fällen nicht der Fall. Rat + Hilfe in Fragen der Bestattung, können die Hinterbliebenen bei den Bestattungsunternehmen bekommen.
Erdbestattung / Feuerbestattung
Es gibt weltweit die verschiedensten Formen der Bestattung. In Europa gilt die Erdbestattung als traditionelle Bestattungsform. Das heißt, die Beisetzung des Verstorbenen erfolgt in einem Sarg oder die Verbrennungsreste nach einer Feuerbestattung mittels einer Urne. Bei der Sargbestattung wird der Verstorbene, in der Erde eines kommunalen bzw. kirchlichen Friedhofs eingelassen. Eine neue Grabstelle auf einem Friedhof erwirbt man in der Regel für einen Zeitraum von15 – 30 Jahren. Der Nutzungszeitraum ist individuell verlängerbar. Eine Beisetzung auf einem privaten Grundstück oder das Verstreuen der Asche im privaten Bereich ist in Deutschland aufgrund des Friedhofszwang´s nicht gestattet. Genau dasselbe gilt für die Aufbewahrung der Totenasche mittels einer Urne im privaten Bereich.
Eine weitere Form der Bestattung ist die Feuerbestattung -Verbrennung in einem Krematorium- ist in der deutschen Bestattungskultur relativ neu. Die Feuerbestattung ist grundsätzlich nur möglich, wenn der Verstorbene diese Bestattungsart schriftlich verfügt hat. Die Beisetzung der Asche erfolgt in der Regel in einem Urnengrab mit oder ohne Urne. Dies geschieht entweder auf einem Friedhof, in Friedwäldern oder durch Verstreuen der Totenasche auf ausgewiesenen Streuwiesen oder der See. Die Feuerbestattung wurde vor allem von Atheisten, Freidenker sowie Freigeistigen gefordert und gegen den Widerstand der Kirche zum Ende des 19 Jahrhunderts eingeführt. Das erste deutsche Krematorium entstand 1878 in Gotha. Die katholische Kirche hat eine Verbrennung der Leiche erst 1963 offiziell zugelassen.
Auf welche Art der Verstorbene bestattet wird, entscheiden die Familienangehörigen. Bei einer Feuerbestattung braucht man eine Unterschrift eines Familienangehörigen und einen so genannten Totenschein.
Bei der Feuerbestattung kommt am Ende die Asche des Toten in eine Innenurne, die die Größe einer Cola-Dose hat, die danach in eine schöne Außenurne kommt. Die Außenurne, die später beschriftet und zugelötet wird, kann man sich selbst aussuchen. Es gibt etwas günstigere und schlichte oder teurere und moderne Urnen. Bei den Särgen ist das genauso, man kann einen günstigen oder einen sehr teuren Sarg nehmen. Die Urne wird anschließend auf dem Friedhof beigesetzt.

